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Hoch hinaus – Der Turm als Kulturleistung
Regensburger Unternehmer von heute knüpfen
an die Baukunst ihrer Vorfahren an
Kirchtürme haben alle deutschen Städte, Rathaustürme viele, und in einigenStädten haben sich auch noch Wehrtürme der mittelalterlichen Befestigungsanlagen erhalten.
Türme sind stets Bauwerke mit Öffentlichkeitscharakter und ein charakteristisch städtisches Phänomen. Doch Türme weisen auch immer über ihre rein praktischen Funktionen hinaus: Sie sind Symbole und zeigen das Vermögen, die Leistungsfähigkeit und auch den Anspruch ihrer Erbauer wie ihrer Besitzer und der Stadt.
Der Regensburger Turmreichtum war von Anfang an ein Markenzeichen der Stadt.
Doch Wehrtürme, Stadttürme und nicht einmal die überaus vielen Kirchtürme würden diese Stadt über andere hinausheben. Es sind die so genannten Patriziertürme, die Regensburg zu einer besonderen Stadt in Deutschland machen: Turmbauten hauptsächlich des 12. und 13. Jahrhunderts, die als Wolkenkratzer des Mittelalters regelmäßig neben burgartigen Wohngebäuden in der Altstadt stehen. Reiche Bürger, Kaufleute und Geschäftsleute, die die wirtschaftliche Kraft der Stadt bildeten, ahmten adelige Baukultur nach, mit hohen Türmen, die in der Stadt keine andere Funktion hatten, als weithin vom Anspruch, Ehrgeiz und Gestaltungswillen ihrer Besitzer zu künden, von ihrem wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Können und Wollen. Dieser Wirtschaftsadel stand international und in Regensburg selbst untereinander im Wettbewerb. Der Wettbewerb der Turmhöhen in der Stadt ist heute noch sichtbares Zeugnis davon. Dass es nördlich der Alpen nur in Regensburg diese Patriziertürme gibt, mag nicht nur ein Fingerzeig auf die einstige Rolle als eine der führenden Handelsstädte in deutschen Landen sein, sondern auch Beleg für die Internationalität der Wirtschaftsbeziehungen. Regensburger Geschäftsleute haben sich italienische Städte zum Vorbild für städtische Baukultur genommen, weil Italien im christlichen Abendland damals führend war in Sachen Wirtschaft, Kunst und Kultur.
Soviel zu den historischen Regensburger Türmen. Das neue, das heutige Regensburg definiert sich nach wie vor über diese Geschichte und sein tatsächlich einmaliges Stadtbild, welches freilich die unverwechselbare Altstadt im Fokus hat und das sehr verwechselbare Neu-Regensburg verschämt ausblendet. Was andere Städte geschafft haben, nämlich mit ihrer Gegenwartsbaukultur auch für das Hier und Heute Dominanten und neue Wahrzeichen zu setzen und damit für Unverwechselbarkeit zu sorgen und ihren Anspruch auf Zukunft zu erklären, ist in Regensburg bislang kaum gelungen – zunächst wegen Geldmangels und dann wohl auch begründet in einer Mischung aus nacktem baulichen Nützlichkeitsprinzip und einschüchternder Ehrfurcht vor dem Kulturerbe dieser grandiosen Altstadt.
Doch die Stadt ist nicht mehr bettelarm, sie ist wirtschaftlich, kulturell und im Selbstbewusstsein ihrer Bürger wieder erstarkt. So hoch hinaus aber wie unsere Vorfahren, die Geschäftsleute des Mittelalters, haben wir uns bislang nicht wieder getraut. Dabei hat kaum eine andere Stadt so viel Recht und so viel Tradition, sich Türme zu bauen wie diese Stadt der Türme. Die alten Türme sollen dabei nicht in Bedrängnis geraten und nicht klein gemacht werden. Mit einem neuen Turm des neuen geschäftigen Regensburgs, dessen Handels- und Gewerbetreiben sich weit über die Grenzen der mittelalterlichen Stadt hinausgebreitet hat, soll im großen Ehrfurchtabstand zu den Leistungen der Vergangenheit ein Symbol für neuen Anspruch und Ehrgeiz entstehen und an der östlichen Peripherie der Stadt eine auch ästhetisch anspruchsvolle Dominante setzen: selbstbewusst aufragend und aufregend, öffentlich und öffentlich zugänglich, weithin sichtbar und Weitblick gewährend mit einer Aussicht von der Walhalla über das Donautal bis zu unseren Nachbarn im neuen großen Europa. Regensburg wurde im Mittelalter reich und groß durch seine Verbindungen in den Osten Europas. Die Stadt war geistiges und kulturelles Zentrum, eine Kulturhauptstadt, nicht nur auf ein Jahr beschränkt. Im Osten Regensburgs, wo aus zunächst einzelnen Bausteinen von Unternehmen und Denkfabriken ein städtisches Wirtschaftsgebiet zusammenwächst, sollte man anspruchsvoll daran anknüpfen.
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